Brüsseler Dachschaden : Kastler fordert vorläufigen Komplettumzug nach Straßburg

Geschrieben von Jean-Baptiste Horhant am . Veröffentlicht in Divers

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BRÜSSEL/STRASSBURG. Bedrohliche Risse in tragenden Balken sorgen seit dieser Woche für eine komplette Sperrung des Brüsseler Plenarsaals und angrenzender Büros im Europäischen Parlament. “Nur die Spitze des Eisbergs”, sagt der mittelfränkische CSU-Europaabgeordnete Martin Kastler und fordert in einem Brief an Parlamentspräsident Martin Schulz den sofortigen Umzug nach Straßburg
– dem eigentlichen Sitz des Europäischen Parlaments: “Der Zustand der Brüsseler Gebäude ist einem Parlament schlicht nicht würdig!”

Die Sperrung eines gesamten Gebäudeteils und die damit verbundene, verheerende öffentlich Wirkung, so Kastler in seinem Schreiben, ” lenkt den Fokus auf ein brennendes Problem, dem wir in den Brüsseler Gebäuden an allen Ecken und Enden, mit zunehmender Tendenz, begegnen: Der Zustand ist, vor und hinter den Kulissen, einfach desolat.”

Kastler erlebt das selbst Tag für Tag: “Begrüße ich Gäste in meinem Büro im 15. Stock, so führt deren Weg seit Monaten vorbei an tropfenden Lecks in der Decke, offenen Deckenplatten und quadratmetergroßen Wasserflecken im Teppich.” Die Situation im Plenarsaal, so der Abgeordnete empört, “zeigt, dass um die Statik der Brüsseler Gebäude offenbar nicht wirklich besser steht.” Gleichzeitig frage er sich, “wie die Sicherheit unserer vielen Besucher und Mitarbeiter so auf Dauer zu sichern ist – ganz abzusehen, von der öffentlichen Sicherheit im Brüsseler Europa-Viertel, die uns allen ja lange vor der Sperrung des Plenarsaals gefährlich war – und auf Grund fehlender Kooperationsbereitschaft der Brüsseler Behörden nicht wirklich in den Griff zu bekommen ist.

Für Kastler ist das Fass durch den einsturzgefährdeten Plenarsaal nun endgültig am überlaufen: ” Um die Situation für uns alle schnell und entscheidend zu verbessern, plädiere ich für eine sofortige Einstellung des parlamentarischen Betriebs in Brüssel und einen Umzug in unser Straßburger Gebäude. Die Plenarsitzung kommende Woche böte, so Kastler, eine kostengünstige Gelegenheit, “umzuziehen und bis auf weiteres in Straßburg zu bleiben.”

Der dortige Bau erscheint Statikern und Bauingenieuren nicht nur baulich sicherer und attraktiver. Straßburg bietet uns allen – dank des Einsatzes und der Kooperationsbereitschaft der Stadt Straßburg und der französischen Behörden – auch mehr Sicherheit und Komfort auf den Straßen rundherum.

Nach dem vorläufigen Umzug dorthin solle eine unabhängige Prüfung entscheiden, was günstiger wäre: Eine Komplettsanierung der Brüsseler Gebäude oder aber ein Verkauf dieser und die für den Vollbetrieb nötige Erweiterung der Büros in Straßburg. Sicher, so Kastler, “könnte man hier über eine kostengünstige Lösung mit dem französischen Staat verhandeln.” Vertraglich jedenfalls steht der Abgeordnete mit seinem Vorschlag auf der sicheren Seite: Artikel 289 des EG-Vertrags nämlich sagt unmissverständlich: ” Das Europäische Parlament hat seinen Sitz in Straßburg.”

“Sollte der Dachschaden im Brüsseler Plenarsaal zu einer solchen Lösung führen, so könnte ich der Schludrigkeit der hier tätigen Baufirmen sogar noch etwas Positives abgewinnen”, so Kastler.